Auf dem Hexenbesen fliegen

Waltenschwil: Baugesuch für den Sagenweg liegt öffentlich auf

Das Projekt ist schon länger bekannt. Im Zusammenhang mit dem Bildhauersymposium im kommenden Jahr möchten die Organisatoren und «Erlebnis Freiamt» einen Sagenweg schaffen. Jetzt wird es konkret: Das Baugesuch liegt auf, die Unterlagen sind auch beim Kanton.

In Zukunft könnte der Spaziergang durch den Waltenschwiler Wald zu einer spannenden Reise in die Welt der Sagen und Mythen werden. Der Weg führt vorbei an mächtigen Wesen und Gestalten aus Stein und Holz. An Figuren und Symbolen, die an längst vergessene Geschichten erinnern. Geschichten, die es wert sind, wieder entdeckt zu werden.

Entstehen werden die Sagengestalten am 2. Freiämter Bildhauersymposium vom 28. Mai bis 6. Juni nächsten Jahres. Nach dem Erfolg der Erstauflage haben der Wohler Rafael Häfliger und der Niederwiler Alex Schaufelbühl zehn Künstler eingeladen, mit ihnen zusammen beim Wohler Waldhaus Chüestellihau ihrer Arbeit als Bildhauer nachzugehen. Während zehn Tagen kann das Publikum den Teilnehmern des Symposiums über die Schultern schauen und beobachten, wie aus Holz, Stein und weiteren Materialien imposante Skulpturen entstehen. Jeder der 12 Künstler wählt dabei eine Freiämter Sage als Motiv. Damit wollen die Teilnehmer einen generationenübergreifenden Beitrag leisten zur Identifikation einer Region. Und dazu beitragen, dass die Sagen als wichtiges Kulturgut erhalten und im Gedächtnis bleiben.

Kanton hat noch nicht entschieden

Die Bewilligung für das Symposium liegt inzwischen vor. Entstehen werden die Figuren also sicher. Ob sie aber als bleibende Kunstwerke einen fixen Platz im Wald erhalten und mit ihnen zusammen ein richtiger, die Jahre überdauernder Sagenweg entsteht, das ist noch ungewiss. Nach erfolglosen Versuchen in Wohlen und Bremgarten soll das Projekt auf Waltenschwiler Boden umgesetzt werden. Gemeinderat und Ortsbürger haben ihr grundsätzliches Einverständnis gegeben, jetzt liegt das Baugesuch auf der Gemeindekanzlei in Waltenschwil auf.

Ausstehend ist noch immer die Bewilligung von Seiten des Kantons. «Die Unterlagen sind eingetroffen, wir haben sie geprüft, aber entschieden ist noch nichts», sagt Kreisförster Erwin Jansen. Der Entscheid ist nicht einfach, weil das Gesetz im Prinzip jegliche feste Bauten im Wald verbietet. Ob es für ein solches Projekt eine Ausnahme gibt, kann Jansen noch nicht sagen.

Von den «brennenden Männer» zum «Teufel von Isenburg»

Der Start zum Sagenweg erfolgt wenige Meter nach dem Waltenschwiler Waldhaus. Hier begegnen interessierte Spaziergänger gleich der wohl grössten und mit drei Tonnen schwersten Figur, inspiriert von der Geschichte über die «brennenden Männer». Aus einem rohen, über 3,3 Meter hohen Steinblock wird Rafael Häfliger eine figürliche Arbeit herausspitzen. Etwas weiter weg erwartet die «Waltenschwiler Hexe» die Fussgänger, hier können Kinder auf einer Schaukel mit dem Hexenbesen durch die Luft fliegen. Auf der anderen Seite des Weges werden die klingenden Stelen von René Philipp an die «Hexenmusik im Maiengrün» erinnern. Von hier aus geht es auf dem bestehenden Freiämterweg weiter, vorbei an den «Keglern im Uezwiler Wald» und dem «Stifeliryter», der wohl bekanntesten Freiämter Sagengestalt, der sich der zweite Veranstalter, Alex Schaufelbühl, annimmt.

Es folgen der «Zwerg von Muri», die «Drei Angelsachsen», der auf seinem Baumsitz thronende «Wohler Eichmann» und die Arbeit zur Geschichte über das «Rüssegger Licht». In einer bestehenden Grube findet der «Rote Wyssebacher» Platz, den Abschluss des Weges (beziehungsweise den Anfang, wenn man von der anderen Seite her kommt) bilden der «Tanzplatz von Zufikon» und «Der Teufel auf der Isenburg». Diese Arbeiten stehen dann bei der Abzweigung zum Erdmannlistein, der ja selber auch Bestandteil einer Sage ist.Abgesehen von einem kurzen Trampelpfad für die «Kegler von Uezwil» wird der bestehende Freiämter Weg benutzt. An beiden Enden des Sagenwegs machen Infotafeln auf das Projekt aufmerksam. Bei den Figuren selber werden Tafeln mit den Sagentexten aufgestellt. Die einzelnen, bis zu drei Meter hohen Figuren werden fix im Waldboden verankert und damit auch gesichert. Speziell für Schulklassen sollen didaktische Hilfsmittel bereitgestellt werden, mit denen sich das Thema ausweiten lässt. Zudem soll der neue Sagenweg eine Verbindung schaffen vom Erdmannlistein zum Waltenschwiler Tierpark.Die Trägerschaft über den Sagenweg hat die Vereinigung «Erlebnis Freiamt» übernommen. Der Verein ist später auch verantwortlich für den Unterhalt. Vorerst aber muss die Bewilligung für diesen Kulturpfad vorliegen. Falls alles klappt, soll im Herbst 2010 ein grosses Einweihungsfest stattfinden. An dem die Waltenschwiler Hexe dann sicher auch gerne teilnimmt. Mit oder ohne ihren Besen.

Wohler Anzeiger, 10. Juli 2009, Autor Chregi Hansen