Grünes Licht für fünf Jahre

Waltenschwil: Der Sagenweg Freiamt kann 2010 beim Tierpark realisiert werden

Nach dem Bildhauersymposium in Wohlen vom kommenden Sommer werden die neu geschaffenen Skulpturen und Sagenfiguren entlang des Freiämterwegs aufgebaut. Die Gemeinde Waltenschwil, der Kanton, Ortsbürger und Jäger haben dem zeitlich begrenzten Projekt nun zugestimmt.

Die zahlreichen Sagen des Freiamts sind ein eindrückliches Kulturgut dieser von Wäldern und Naturlandschaften verwöhnten Region an Reuss und Bünz. Wer kennt sie nicht, die unheimlichen, magischen und oft auch gruseligen Geschichten: Der Stifeliryter zu Muri, die Erdmannli im Wohler Wald und die Angelsachsen mit den blutigen Köpfen bei der Kapelle St. Wendelin in Sarmenstorf. Steine und Kapellen sind häufig die einzigen sichtbaren Hinweise auf den reichen Freiämter Sagenschatz.

Zwölf Bildhauer in der Freiluftwerkstatt

Das soll sich nun ändern. Zwölf Bildhauer treffen sich nächstes Jahr vom 28. Mai bis zum 6. Juni beim Waldhaus Chüestellihau in Wohlen, um gemeinsam an einem Symposium in einer Freiluftwerkstatt ihre Kunstwerke in Holz und Stein zu realisieren. Das Thema lautet: «Freiämter Sagen».

Während der neun Tage wird es möglich sein, den Bildhauerinnen und Bildhauern über die Schultern zu schauen, dem spannenden Entstehungsprozess beizuwohnen und da und dort vielleicht auch selber Hand anzulegen. «Die vergangenen Symposien haben gezeigt, welch grosses Interesse das gestalterische Handwerk über alle Altersgruppen hinweg ausgelöst hat», sagen die beiden Initianten Alex Schaufelbühl und Rafael Häfliger. Vorab die heranwachsende Generation erlebte noch nie Gesehenes, Elementares und konnte selber mitgestalten.Doch was soll mit den sagenhaften Skulpturen nach dem Symposium geschehen? Diese Frage führte zu einer neuen Idee: Wie wäre es, wenn die Bildnisse erhalten blieben, den Wanderinnen und Wanderern entlang des Freiämterwegs ein Dutzend Geschichten erzählen würden, die im und vom Freiamt handelten?

Absage in Wohlen

Als die beiden Vertreter der Bildhauer, Alex Schaufelbühl und Rafael Häfliger, mit «Erlebnis Freiamt» Kontakt aufnahmen, um diese Idee zu lancieren, wusste keiner, worauf man sich da einliess. Gesuche wurden verfasst, Gespräche gesucht. Nach der Absage der Behörden in Wohlen zeichnete sich schliesslich in Waltenschwil eine Lösung ab. Wald- und Landbesitzer, Förster und Kanton, Jäger und Ortsbürger fanden sich zusammen und gaben den Bildhauern und dem Verein Erlebnis Freiamt für fünf Jahre grünes Licht zur Erstellung des Sagenwegs Freiamt.

Die zwölf Resultate der künstlerischen Arbeit verdienen es, in einer Gesamtschau der Nachwelt erhalten zu werden, und sei es auch nur bis Ende 2015. Denn eines steht fest: Sagen bilden in Schule und Wissenschaft einen eigenen Themenkreis, werden nach wie vor auch im privaten Umfeld erzählt, sind also ein wesentlicher Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses. Auch leisten Sagen einen wichtigen Beitrag zur Identifikation einer Region. Aber sie gehen verloren, wenn man sie nicht immer wieder zu neuem Leben erweckt, indem man sie erzählt.

Die Lösung: Sagenweg im Wald

Die Umsetzungen der Sagen in Stein, Holz und Metall, einfach lesbar und populär, sollen entlang einer Wegstrecke des Freiämterwegs, kurz vor dem Tierpark, zu stehen kommen. Auf diesem 400 Meter langen Stück des Waldwegs sollen die Darstellungen inklusive Texte als erzählende Wegbegleiter die Strecke säumen. Vorab Schulklassen mit ihren Lehrkräften, aber auch Familien, Wanderinnen und Wanderer werden die Bildnisse sehen können, den Text vor Ort lesen und an den uralten Mythen, manchmal romantischen, dann wieder dramatischen Geschichten ihre Freude haben. Zur Vorbereitung des Besuchs werden Schulklassen der Unter- und Mittelstufe Sagentexte sowie Unterrichtshilfen über die Geschäftsstelle von «Erlebnis Freiamt» bei Muri Info bestellen können. Als bleibendes Ausflugsziel mit dreidimensional begehbaren Bildern wird im Wald ein Ort geschaffen, an dem das wichtige Sagengut wieder aufleben kann. Schulreisen, aber auch viele Familien werden vom Geschichtenpark profitieren.

Wohler Anzeiger, 9. Oktober 2009, Autor: pd