Kein Sagenweg im Wohler Wald

Das 2. Freiämter Bildhauersymposium beim Waldhaus Chüestellihau wird um ein Jahr verschoben

Das für nächsten Juni geplante Bildhauersymposium zum Thema «Freiämter Sagen» findet erst im Jahr 2010 statt. Dafür zeichnet sich endlich eine Lösung für den bleibenden Sagenweg ab. In Waltenschwil.

Das Projekt der beiden Künstler Alex Schaufelbühl und Rafael Häfliger sorgte bereits im Vorfeld für Furore. Zwölf namhafte Künstler sollen das Gebiet beim Waldhaus Chüestellihau in eine Freiluftwerkstatt verwandeln. Während einer Woche sollen dabei Kunstwerke aus der Freiämter Sagenwelt entstehen. Die Erstauflage des Bildhauersymposiums 2003 war mit 3500 Besuchern, darunter vielen Schulklassen, ein voller Erfolg.

Anlass ja, Sagenweg nein

Die zwölf Kunstwerke sollen, so die Idee der Initianten, anschliessend während 25 Jahren entlang des Freiämterweges stehen bleiben und als stille Attraktion den Kulturwanderweg bereichern. Die Trägerschaft des Sagenweges übernimmt der Verein Erlebnis Freiamt, der schon den Freiämterweg realisiert hat. Präsident Erich Näf ist begeistert von der Idee: «Wir sind überzeugt, dass der Sagenweg eine enorme Bereicherung des Freiämterweges bedeuten würde, zumal auch ein pädagogischer Mehrwert resultiert.» Schliesslich seien Sagen ein Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses und stifteten regionale Identität.

Nur: Auf Wohler Boden lässt sich der Sagenweg definitiv nicht verwirklichen. Nach einer Planungszeit von fünf Jahren und unzähligen Gesuchen und Verhandlungen bekamen die Initianten im Oktober von Gemeinderat Christian Müller den definitiven Bescheid: keine bleibenden Bauten im Wohler Wald. «Das Symposium und der Sagenweg sind aber eng miteinander verbunden», erklärt Alex Schaufelbühl, «wegen der Verzögerungen mit dem Sagenweg mussten wir den Anlass um ein Jahr verschieben. Dafür ist jetzt auch eine neue Bewilligung nötig.» Neu wird das Symposium vom 28. Mai bis 6. Juni 2010 stattfinden.

Zwei Gesuche chancenlos

Ursprünglich war der Sagenweg im Bereich des Erdmannlisteins geplant, «dem Epizentrum der Freiämter Sagenwelt», wie Schaufelbühl sagt. Dieses erste Gesuch lehnte der Gemeinderat am 7. Januar 2008 ab. Als einzig denkbare Örtlichkeit für den Sagenweg bezeichnete der Gemeinderat damals die Strasse zwischen dem Forstmagazin und dem Waldhaus Chüestellihau.

Das wiederum kam für die Organisatoren nicht infrage. «Die Idee ist, die Leute in eine besondere Stimmung zu versetzen und für die Sagenwelt empfänglich zu machen», erklärt Schaufelbühl. Dazu gehöre die geheimnisvolle Atmosphäre im Wald mit dem Moos an den Bäumen und dem manchmal etwas unheimlichen Lichteinfall. «Das geht beim Forstmagazin alles nicht.»Alex Schaufelbühl und Rafael Häfliger gaben nicht auf und versuchten es im Sommer mit einem neuen Gesuch. Gemäss Protokoll zeigte sich der Gemeinderat «sehr überrascht, dass man sich über seinen Entscheid vom 7. Januar bezüglich Standort des Sagenweges hinwegsetzt». Der Gemeinderat verwies auf die verschiedenen Interessen, die im Wald auf-einandertreffen, zeigte sich aber immerhin willens, die Gesuchsunterlagen an die Ortsbürger- und die Forstkommission weiterzuleiten mit der Bitte um eine Stellungnahme. Im Oktober kam dann das definitive Aus: «Das Gespräch mit Gemeinderat Müller dauerte etwa drei Minuten», erinnert sich Erlebnis-Freiamt-Präsident Erich Näf.

Offene Arme in Waltenschwil

Auch nach diesem erneuten Rückschlag gaben die Initianten nicht auf. Mit der Unterstützung von Erlebnis Freiamt suchten die beiden Künstler nach neuen Lösungen und wurden in Waltenschwil fündig. «Bei Gemeindeammann Josef Füglistaler stiessen wir mit unserem Vorhaben sofort auf Interesse», sagt Erich Näf.

Dann ging plötzlich alles ganz schnell. Bereits im Februar signalisierten auch die Waltenschwiler Ortsbürger ihr grundsätzliches Ja zum Projekt und am 2. März gab der Gemeinderat unter Bedingungen und Auflagen grünes Licht für den Freiämter Sagenweg. Jetzt kann das Baubewilligungsverfahren für Bauten ausserhalb der Bauzone eingeleitet werden. Nach dem Ja des Gemeinderates ist als letzte Hürde nur noch die Zustimmung der kantonalen Abteilung Wald ausstehend.

20 Meter neben der Ortsgrenze

Neu soll der Sagenweg entlang des Freiämterweges ab Tierpark Waltenschwil rund 500 Meter in den Wald hinein Richtung Erdmannlistein führen. Die zwölfte und letzte Skulptur wird rund 20 Meter neben der Wohler Ortsgrenze stehen.

Mit diesem Kompromiss können sowohl die beiden Künstler als auch Erlebnis Freiamt gut leben. «Aus unserer Sicht ist der Standort beim Tierpark sogar noch idealer als beim Erdmannlistein», freut sich Erich Näf. Er ist überzeugt davon, dass der Sagenweg zu einer Freiämter Attraktion mit grosser Ausstrahlungskraft werden wird. Und das darf gerne auch in Waltenschwil sein.

Wohler Anzeiger, 17. April 2009, Autor: fel